Recht und Gesetz in Niedersachsen

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Tierschutz; Vereinbarung über eine Feldstudie zur Weiterentwicklung der Mindestanforderungen in der Hühnermast
RdErl. d. ML v. 26.10.2009 - 204.1-42503/2-691 (E) (Nds.MBl. Nr.45/2009 S.974) - VORIS 78530 -
Bezug: RdErl. v. 13.10.2008 (Nds.MBl. S.1120) - VORIS 78530 -

Schulrecht

1. Mit Inkrafttreten der Vierten Verordnung zur Änderung der TierSchNutztV vom 1.10.2009 (BGBl. I S.3223) am 9.10.2009 ist die Feldstudie nach Nummer 4 Buchst. a der Vereinbarung ausgelaufen. Zukünftige Mastdurchgänge sind daher entsprechend den Anforderungen des Abschnitts 4 TierSchNutztV zu halten. Dabei ist strikt auf die Einhaltung des § 19 Abs. 3 TierSchNutztV zu achten, wonach die Masthühnerbesatzdichte zu keinem Zeitpunkt 39 kg/m2 überschreiten darf. Ein Verstoß ist gemäß § 37 Abs. 1 Nr. 25 TierSchNutztV als Ordnungswidrigkeit zu ahnden.

2. Zur Sicherstellung der Anforderungen des § 18 Abs. 3 Nr. 1 TierSchNutztV ist das Merkblatt zur Vermeidung von Hitzestress bei Jungmasthühnern (Broilern) heranzuziehen (Anlage 1).

3. Maßnahmen zum Erhalt einer trockenen und lockeren Einstreu i.S. des § 19 Abs. 1 Nr. 3 TierSchNutztV sowie folglich zur Verbesserung der Fußballengesundheit bei Jungmasthühnern ergeben sich aus den Empfehlungen zur Erhaltung und Verbesserung der Tiergesundheit bei Jungmasthühnern (Anlage 2).

4. Es ist zu beachten, dass die die Feldstudie begleitende Erhebung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie (IBEI), noch bis Ende Oktober 2009 weiterläuft, so dass noch alle Mastberichte der laufenden Durchgänge dem IBEI zuzuleiten sind, um belastbare Daten für die weitere Diskussion zu erhalten. Der Abschlussbericht des IBEI wird Anfang März 2010 erwartet.

5. Im Rahmen der für den 1.12.2009 terminierten Besprechung zwischen dem ML, Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Veterinärbehörden und dem LAVES wird auch Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch zur Feldstudie sein. Insbesondere wäre von Interesse zu wissen, ob es Betriebe gab, die Masthühner mit einer Besatzdichte von 42 kg/m2 unter den in der Feldstudie genannten Bedingungen erfolgreich gehalten haben und ob die geplanten Besatzdichten (insbesondere die 39 kg/m2) eingehalten werden konnten. Daneben sollen auch Probleme mit der Umsetzung der Neuregelung in der TierSchNutztV angesprochen und gemeinsam Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

6. Dieser RdErl. tritt mit Wirkung vom 9.10.2009 in Kraft und mit Ablauf des 31.12.2014 außer Kraft. Der Bezugserlass tritt mit Ablauf des 8.10.2009 außer Kraft.

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An
die Region Hannover, Landkreise und kreisfreien Städte
den Zweckverband Veterinäramt Jade-Weser
das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
Nachrichtlich:
An die
Niedersächsische Geflügelwirtschaft, Landesverband e. V.


Anlage 1

Merkblatt zur Vermeidung von Hitzestress bei Jungmasthühnern (Broilern)

Sind in den Sommermonaten nach Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes Enthalpiewerte in der Außenluft von über 67 kJ/kg zu erwarten, sind nachfolgende Maßnahmen einzuleiten, um hitzebedingte Verluste zu vermeiden. Dies betrifft insbesondere Broilerhaltungen in der Endphase der Mast.

1. Rechtzeitige Abfrage der Klimadaten

über problematische Wetterlagen unter den Telefonnummern:

- 0190 115403 für Niedersachsen-West und Bremen
- 0190 115404 für Niedersachsen-Ost bzw.
- im Internet http://www.agrowetter.de/Agrarwetter/enthalpie.htm.

2. Ständige Präsenz einer verantwortlichen Person

zur Überwachung der Stalltechnik und zur Betreuung der Tiere.

3.1 Rechtzeitig stufenweise Erhöhung der Ventilatorenleistung

Mindestsommerluftvolumenstrom = 4,5 m3/kg Lebendgewicht und Stunde (d.h. für 1,5 kg schwere Broiler in der Endmast 6,75 m3/h). Erforderlichenfalls Reduzierung der Besatzdichte in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte September, um die o.a. Förderleistung zu erreichen.

3.2 Erhöhung der Luftgeschwindigkeit im Tierbereich

Z.B. durch Umstellen der Lüftungsdüsen oder durch Einsatz von Zusatzlüftern (Schwenkventilatoren an den Stalllängsseiten bzw. Stützluftventilatoren (sog. Axial- oder Gigololüfter), die einen Luftstrom in Stalllängsrichtung erzeugen). Umluft auch in den toten Ecken mit Windschatten sicherstellen. Bei freigelüfteten Ställen kann auch das Offnen der Giebeltore sinnvoll sein. Lüftungskurzschlüsse vermeiden.

Luftgeschwindigkeit in m/s Kühlwirkung in ·°C
1,25 3,3
2,50 5,6.

Die hohen Luftgeschwindigkeiten sollten partiell eingeleitet werden, damit die Tiere diese Bereiche ggf. wieder verlassen können. In der Praxis haben sich entsprechende Luftduschen in etwa einem Drittel des Stalles bewährt.

4. Tägliche Überprüfung der vollen Funktionsfähigkeit von Alarmanlage, Notstromaggregat, Lufteinlassöffnungen, Luftleiteinrichtungen und Ventilatoren (u.a. saubere Schutzgitter!) und Tränkeeinrichtungen

5. Luftbefeuchtung/Kühlung der Stallhülle

Durch Befeuchtung der Zuluft und/oder Stallluft kann eine Absenkung der Stalllufttemperatur um 3 bis 5·°C bei gleichzeitiger Staubbindung erreicht werden. Die Befeuchtungsanlage sollte vornehmlich in den Vormittagsstunden, rechtzeitig vor der erwarteten Tageshöchsttemperatur eingesetzt werden. Die relative Feuchte der Stallluft darf dabei nicht über 80 v.H. ansteigen. Eine Befeuchtung von Tieren und Einstreu ist zu vermeiden. Bei Altbauten kann zur Abkühlung der aus der Zwischendecke entnommenen Zuluft auch eine Berieselung der Stalldachfläche sinnvoll sein.

6. Beschattung

Z.B. durch vorübergehende Abdunkelung der Lichteinfallsflächen auf der Sonnenseite des Stalles oder große Schatten spendende Bäume, die jedoch nicht den Zuluftstrom in den Stall beeinträchtigen dürfen.

7. Reduzierung der Fütterung

Zur Kreislaufstabilisierung ist einige Stunden vor der erwarteten Tageshöchsttemperatur die Fütterung durch „Leerfressenlassen” der Tröge zu reduzieren bzw. einzustellen. Ein Hochziehen der Futterbahnen hat sich bei Broilern im Allgemeinen nicht bewährt, da die Tiere beim Herunterlassen der Tröge nicht ausweichen. Die Fütterung sollte erst nach Absinken der Temperaturen in den Abend- und Nachtstunden wieder uneingeschränkt aufgenommen werden. Dazu kann in diesen Tagen auf eine Dunkelphase verzichtet werden.

8. Ständiger Zugang zu Tränkwasser
(auch während der Nacht)

Frisches, kühles Wasser ist bei hohen Temperaturen günstiger als im Vorlaufsystem erwärmtes Wasser.

9. Vitamin C-haltige Futtermittelzusatzstoffe

können zur Stabilisierung der Tiere bei Hitzestress beitragen.

10. Vermeidung von stresserzeugenden Störungen der Tiere

11. Ausstallung in den kühleren Nacht- oder Morgenstunden

Verfügt der abholende LKW über eigene Lüfter, sollten sie zur Kühlung der bereits verladenen Tiere eingesetzt werden, erforderlichenfalls sind betriebseigene Zusatzlüfter bei der Verladung einzusetzen.

12. Transport

- ggf. Reduktion der Besatzdichte in den Transportbehältnissen
- während der Fahrt dürfen nur unvermeidbare Pausen eingelegt werden
- bei unvermeidbaren Pausen ist das Fahrzeug im Schatten abzustellen
- stauträchtige Strecken sollten vermieden werden - Verkehrsfunk verfolgen!
- ggf. über Notruf die Polizei verständigen, um das Fahrzeug, wenn möglich, aus dem Stau zu leiten
- Parken auf dem Schlachthof nur mit Zusatzlüftung, ansonsten LKW bis zur Schlachtung bewegen.

Herausgeber:

Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Calenberger Straße 2, 30169 Hannover, Tierschutzdienst des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Ecke Sandkruger Straße/Westerholtsweg, 26133 Oldenburg, in Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, Landesverband e.V., Mars-la-Tour-Straße 1-13, 26121 Oldenburg.


Anlage 2

Empfehlungen zur Erhaltung und Verbesserung der Tiergesundheit bei Jungmasthühnern

A. Vorbereitung des Stalles vor jedem Durchgang

1. Aufheizen

Rechtzeitiges Aufheizen des Stalles. Die Bodentemperatur vor dem Einstallen der Küken sollte ca. 28°C betragen.

2. Kontrolle der Wasserversorgung

- Tränken und Tränkenippel auf Tropfstellen prüfen, ggf. beseitigen.
- Wasserdruck der Leitungen im Stall prüfen.

3. Einbringen der Einstreu

Hobelspäne oder kurz gehäckseltes Stroh (möglichst nicht mehr als 3 bis 5 cm Halmlänge); entscheidend ist außerdem eine sehr gute Qualität des Einstreumaterials. Die Einstreumenge sollte bei Stroh in etwa 800 bis 1 000g je m2 Stallgrundfläche betragen (je kürzer das Stroh gehäckselt wird, umso geringer kann die erforderliche Einstreumenge sein). Bei Hobelspänen sollten ca. 600 bis 800 g je m2 Stallgrundfläche eingebracht werden!

Erläuterung: Weniger ist mehr! Eine dünne Einstreuschicht wird von den Broilern besser durchgearbeitet und bleibt somit trockener.

Werden andere Einstreumaterialien eingesetzt (z.B. Maissilage), sollte dies nur nach entsprechender Fachberatung und gemäß den Empfehlungen der Hersteller erfolgen.

4. Luftfeuchte

Die Luftfeuchte sollte zu Mastbeginn bei 50 v.H. liegen und erst ab dem zehnten Tag entsprechend der Temperaturverlaufskurve angehoben werden.

B. Start- und Aufzuchtphase

1. Tierverteilung im Stall

Es ist auf eine gleichmäßige Kükenverteilung im Stall zu achten. Dies kann durch eine gleichmäßige Ausleuchtung/ Lichtintensität (keine Schattenbildung) sowie insbesondere eine dem Alter der Tiere und den Witterungsverhältnissen angepasste Temperatursteuerung und Lüftung erreicht werden (in Anlehnung an die vorgegebenen Empfehlungen der Integrationen).

2. Kükenpapier

Es sollte nur selbstzersetzendes Kükenpapier genutzt werden, so dass die darunter liegende Einstreu Feuchtigkeit aufnehmen kann und damit zu einem trockeneren Stall beiträgt.

3. Lüftung

Schon in den ersten Tagen nach der Einstallung der Küken ist auf eine Mindestluftaustauschrate zu achten (z.B. durch eine wiederholte Stoßlüftung). Ein zu geringer Luftaustausch führt zu einer feuchteren Einstreu und somit zu höheren Ammoniak- und Kohlendioxid-Werten.

4. Temperatur

Der Temperaturverlauf wird entsprechend der Stallkarte gesteuert. Dabei ist auf eine gleichmäßige Verteilung der Tiere zu achten. Temperaturkurvenabsenkungen sollten generell nur zu Beginn der Hellphase erfolgen.

Empfehlung bei Problemen: Während der Dunkelphase sollte ggf. die Temperatur um ca. 1·C angehoben werden, um eine gleichmäßige Tierverteilung zu erreichen.

5. Wasserversorgung

- Altersentsprechende Höhenjustierung der Tränkebahnen, so dass die Tiere jederzeit mit leicht gestrecktem Hals Wasser aufnehmen können.
- Altersentsprechende Anpassung des Wasserdrucks während des Durchgangs.
- Tränkewasser nicht direkt aus der Leitung nehmen, da kaltes Wasser dünnflüssigen Kot zur Folge laben kann (z.B. durch Einsatz einer Aufwärmschleife mit Kondenswasserableitung).
- Altersbezogene Justierung des Wasserangebotes bei Gewährleistung der ständigen Verfügbarkeit für die Tiere: Zu Beginn der Aufzucht können die beiden äußeren Tränkelinien unter Umständen hochgezogen werden, um die Einstreu im Randbereich des Stalles trocken zu halten. Die Wasserdurchflussrate wird dadurch erhöht und der Keimdruck gesenkt. Diese Vorgehensweise ist aber nur zu vertreten, wenn auch dann noch für alle Tiere jederzeit ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Vor Hinzunahme der äußeren Tränkelinien sollten diese gespült werden.
- Vielfach haben sich Auffangschalen unter den Tränkelinien bewährt.

C. Maßnahmen, die bei Vorhandensein von feuchter Einstreu vorgenommen werden sollten

- Nachstreuen und Durcharbeiten der kritischen Stellen im Stall (Fenster-, Türen- und Tränkebereich). Zu bevorzugen sind Hobelspäne oder ggf. kurz gehäckseltes Stroh.
- Stoßweises Lüften zur Absenkung der Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitiger Erhaltung der Stalltemperatur.
- Kotfalle/Kotkiste zur Kontrolle einsetzen: Überprüfung der Kotkonsistenz zur Ursachenermittlung.

D. Im Bedarfsfall rechtzeitig den Tierarzt einschalten

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